Auf der Suche nach dem „Nichts“

Geschrieben von: Jürgen
Dienstag, den 12. Oktober 2010 um 03:05 Uhr

„The track“, wie sie von den Australiern genannt wird, die Verbindung der Nord- mit der Südküste. Von Darwin nach Adelaide auf 3006 km. Uns soll diese schnurgerade, nicht enden wollende Straße durch dürres, staubiges, rotes Outback zum Uluru–KATA TJUTA–National Park bringen. Seelisch und moralisch stellen wir uns auf die tagelange und öde Fahrt ein. Wir freuen uns auf das viel beschriebene Nichts. Doch dieses Nichts will sich einfach nicht einstellen. Je länger wir Richtung Süden fahren, und je tiefer wir in die Wüste vordringen, umso grüner wird es. Wir wundern uns wie man diese liebliche Landschaft als „Nichts“ empfinden kann.
Es blüht in allen Farben. Rote, blaue, weiße, gelbe, orange Blumen und Sträucher, Schwärme von sattgrünen Wellensittichen und allerlei Getier, dass die Straße versucht zu überqueren. Nicht selten ohne Erfolg. So Abwechslungsreich haben wir uns diese endlosen Kilometer nicht vorgestellt. Es bleibt die Frage, wo haben die Leute hingesehen, die diese Gegend als trostlos, karg und lebensfeindlich darstellen.

Und wo ist die rote Wüste geblieben, auf die wir uns so gefreut haben? Wir verstehen die Welt nicht mehr. Bis uns endlich zwei australische Ladys aufklären, dass das ganz, und gar nicht der Normalzustand ist. Die letzten Wochen hat es hier, im Herzen Australiens, soviel geregnet wie es die letzten 50 Jahre nicht mehr der Fall war. Die Folge ist diese Farbexplosion. Wir haben das außergewöhnliche Glück, Pflanzen entdecken zu können, die zum ersten mal seit Jahrzehnten wieder das Licht der Welt erblicken und die nur hier zu finden sind. Die Botanikers sind aus dem Häuschen.

Alle paar hundert Kilometer kommen wir an einem Roadhouse vorbei. Mit ihren skurrilen Einrichtungs- und Dekorationsgegenständen immer wieder eine witzige Abwechslung. Vom BH über Baseballcaps hinterlassen hier die Durchreisenden alles, was man sich nicht vorstellen kann.

Wir hinterlassen gleich mal unsere Visitenkarte.

Roadtrains, die Jürgens ganze Aufmerksamkeit fordern, rauschen an uns vorüber. Die Druckwelle die sie vor sich her schieben fühlt sich jedes mal an wie eine Betonwand die es mit dem Orangetrotter zu durchbrechen gilt.Über 50 Meter lang, bis zu vier Anhänger, beladen mit Autos, Sprit, Öl oder 120 lebenden Rindern. Unglaublich was diese Truckfahrer hier alles von Süd nach Nord bringen.

Auch Jorge, ein Spanier, der mit seinem alten 2cV, also einer „Ente“, seit über zwei Jahren unterwegs ist, sorgt für Abwechslung. Von ihm haben wir schon in der Türkei gehört. Er begrüßt uns mit den Worten: „Wollte nur mal kurz Hallo sagen, hab Euer Fahrzeug schon in Kambodscha stehen sehen.“ Wir trinken gemütlich Kaffee zusammen und tauschen unsere Reiseerlebnisse aus.

So erreichen wir nach überraschend kurzweiligen Fahrtagen unser Ziel. Für uns nicht nur irgendein Ziel, nein, mit diesem Bild in unseren Köpfen sind wir vor fast 15 Monaten in Memmingen losgefahren. Wir haben unsere Vision erfüllt!

Noch viel mehr, als dieser wohl allen bekannte, Monolit haben uns die Olgas in ihren Bann gezogen. Auf einer dreistündigen Wanderung haben wir uns von ihnen verzaubern lassen. „Viele Köpfe“ wie diese Felsen auch genannt werden, erscheinen hinter jeder Wegbiegung in anderem Licht. Der Weg führt uns durch ein märchenhaftes Tal, das „Vally of the Winds“. Wir haben das „NICHTS“ erwartet und haben ein Wunder der Natur erlebt. Die australische Wüste lebt!

Gespannt welche Überraschungen dieses Land noch für uns bereit hält, geht es nun den ganzen, langen Weg zurück bis Katherine.

Bis bald Eure

Helga Orangetrotter

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