
Lange nichts mehr geschrieben, es passiert einfach so viel und dann ist da noch das Problem mit dem Internet. Es ist hier in Westaustralien, außerhalb der großen Städte, schwer zu finden und wenn, dann ist es langsam, der eigene Laptop darf nicht verwendet werden und schweineteuer ist es auch noch. Aber schön ist es hier, dass kann ich Euch sagen. Das schönste in Down Under:
Jedes Tier ist eine Überraschung, außer den Fliegen und Ameisen, sieht hier alles anders aus. Und das Beste für mich, ich muss nicht einmal ins Meer um eine Idee davon zu bekommen was sich dort alles tummelt. Buckelwale, Blaupunktrochen, Delphine und viele, viele Meeresschildkröten und sogar einen kleinen Schwarzspitzen-Riffhai konnte ich ganz bequem vom Strand aus beobachten.

Und dann sind da noch die all gegenwärtigen Kängurus, vom kleinen grauen bis zum großen roten. Die einen unglaublich scheu, die anderen neugierig und kontaktfreudig. Eins wollte sogar in unseren Orangetrotter einsteigen.

Und Schafe, Schafe gibt es wirklich viele, und wenn mir jemand erzählt hätte, dass ich, ausgerechnet ich, Schafe zusammen treibe und ihnen anschließend Medizin einspritze, dann hätte ich das bestimmt nicht geglaubt. Helga mit Schaf zwischen den Beinen, mit der linken Hand unter das Maul greifend, mit der rechten die Spritzvorrichtung in den Rachen des Tiers einführen und dann abdrücken, den Kopf ein bisschen anheben, damit auch nichts verloren geht. Anschließend noch mit einer blauen Flüssigkeit, gegen die Parasiten, besprühen und sie wieder in die Freiheit entlassen. Was für ein Erlebnis.
Und die alten Zäune, im trockenen, heißen Outback, alten rostigen Draht aufrollen. Fliegen krabbeln in die Nase, in die Ohren, um den Mund, zwei davon hab ich verschluckt. Schmecken nicht schlecht aber der Gedanke, dass die im Magen weiter fliegen ist gruselig. Und meine Hände, Bürohände, die sind solche Arbeit nicht gewöhnt. Aber soll ich Euch was sagen? Es hat Spaß gemacht! Es ist gut einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Eine kleine Ahnung vom richtigen Australien zu bekommen.
Aber was heißt schon richtiges Australien. Da bin ich noch nicht durch. Gerade was die Ureinwohner angeht, ist es sehr schwierig sich ein Bild zu machen. Vor meiner Ankunft auf dem roten Kontinent habe ich mich so auf die Kultur der Aborigines gefreut, hatte eine sehr romantische Vorstellung. Doch die Realität ist anders. Es scheint als leben die Weißen und die Schwarzen in Parallelwelten. Nebeneinander her. In den Städten trifft man auf die von den Kommunen ausgestoßenen Aborigines. Die wegen unsozialem Verhalten, sehr oft Alkoholproblemen, nicht mehr erwünscht sind. In den Städten trinken sie dann weiter und wissen nicht recht was sie mit sich anfangen sollen. Sie sind haltlos, haben ihre Kultur verloren, verlernt das zu leben was sie Jahrtausende überleben lies ohne die Natur auszubeuten. Den Weißen ist bewusst dass viel Unrecht geschehen ist, Fehler gemacht wurden. Viel wird versucht, wieder gut zu machen, was nicht gut zu machen ist. Es scheint als seien diese Menschen nicht für „unser“ Leben gemacht, als wäre es ihnen unmöglich sich anzupassen an Regeln und Verhaltensweisen, wie sie uns normal und richtig erscheinen. Doch wer weiß, vielleicht war das Leben dass ihre Vorfahren geführt haben, das bessere, haben sie doch mit der Natur gelebt ohne zerstörerische Spuren zu hinterlassen. Sie hatten Fähigkeiten und Wissen, dass vieles in unserer modernen Welt überflüssig machen würden. Für viele Menschen wäre das in unserer Zeit ein Segen, für andere der Untergang. Viele Fragen werden unbeantwortet bleiben und noch einige Lösungsversuche nötig sein. Ich wünsche allen Menschen die diesen außergewöhnlichen Kontinent ihr zu hause nennen, dass sie Wege finden gemeinsam und harmonisch, miteinander zu leben.

Eure Helga Orangetrotter
