working on a farm

Fabio, der sympathische Italiener gibt uns den Tip auf der Warroora-Station nach Arbeit zu fragen. Diese Station liegt irgendwo im „Nichts“ zwischen Coral Bay und Carnavon und deckt 50 km Küstenstreifen des berühmten Ningaloo-Marine-Parks ab.
Station bedeutet Farm- große Farm! Warroora nutzt eine Fläche von 107.000 Hektar (ca. 50 x 50 x 40 km)! Darauf tummeln sich 12.000 Schafe, 800 Ziegen, ca.600 Rinder. Eigentlich eine kleinere Station für australische Verhältnisse. In eine der Größten dieser Art passt ganz Belgien rein.
Als wir eintreffen liegt die Schafscher-Saison in den letzten Zügen. Jetzt ist die härteste Zeit des Jahres. Es macht richtig Spaß dem neuseeländischen Scherer-Team bei ihrer Arbeit zu zusehen, Der Sheering-Stadel wird beschallt. Zum lautstarken Rhythmus von AC/DC, Reagee und 80er Jahre Beats schleust ein Scherer tägl. bis zu 250 Schafe durch seine flinken Hände. Bevor das Schaf merkt was los ist, ist es schon Splitternackt.

Alles an Freunde und Verwandtschaft kommt zusammen um zu helfen. Drei Wochen Blut, Schweiß und Staub. Marty, und seine Familie nehmen uns herzlichst auf und nach einem tollen Abendessen und einem kräftigen Frühstück beginnt unser erster Arbeitstag.
Wir fahren weit raus zu den Trabs um die verbleibenden „wolligen“ Schafe aufzusammeln, versehen die „Gescherten“ mit Ohrclips, Schwänze werden gestutzt, verabreichen Medizin, treiben die Schafe mit den Motorrädern über viele Kilometer zurück auf ihre Weidegründe. Hier, bei der spärlichen Vegetation, braucht ein Schaf seeehr viel Platz. Wir verladen die Wollballen (a 200 Kilo, 20 Tonnen) auf den Truck, der auch gleich 70 mannshohe Heuballen mitbringt. Auch die werden von Hand verstaut.
Nach drei Tagen kann ich mich kaum mehr rühren vor Muskelkater. Da kommt die erlösende Nachricht.Wir haben einen halben Tag frei. Wir pflegen unsere Knochen und fahren mit Andy an die unberührte Küste und beobachten hunderte von Turtels im seichten, türkisfarbenen Wasser.

Die nächsten Tage wird es etwas ruhiger. Das Scherer-Team ist bereits abgereist, und wir beginnen alte Zäune abzubauen.10 Kilometer Zaun heißt 50 km rostigen, brüchigen Draht knipsen, wickeln, Pfosten raus - Mitten im Outback. Fatalster Fehler - kein Wasser mitzunehmen. Man weiß nie was passiert – Jeep läuft nicht mehr – Kreislaufkollaps – Schlangen...?
Nach Feierabend fröne ich meiner neuen Lieblingsbeschäftigung, dem Angeln. Nicht rein zum Spaß, es wird nur gefangen was unmittelbar verzehrt wird. Na ja, oft hätten wir hungrig ins Bett müssen, aber Andy schlachtet noch schnell drei Schafe und der nächste Lunch ist gesichert.
An einem anderen Abend werden wir von den Shooters eingeladen. Sie verbringen ihre Urlaube damit die Stations ab zu klappern und alles zu schießen, von dem sie glauben dass es nicht hierher gehört. Katzen, Hunde, Füchse sind wohl wirklich ein Problem, Kängurus gibt’s mehr als genügend, auch klar, aber hier habe ich schon eher den Eindruck dass die Freude am Töten im Vordergrund steht. Aber es sind keine böse Jungs, im Gegenteil! Na ja, thats West-Australia.
Wir genießen den Einblick in das Leben der Menschen hier, und außerdem bessert es unsere Reisekasse ordentlich auf. Und wir haben einen „Guten“ Chef! Trotz der harten Umstände, mit Herz und Verstand, voll zupackend, bereitet es uns Vergnügen mit ihm zu arbeiten, und unsere Sache gut zu machen. Es geht also doch! Was immer wieder auffällt: Die typischen Statussymbole wie protziges Auto, Dresscode etc... misst man hier im Nordwesten, unabhängig vom sozialen Stand, nur wenig Bedeutung bei. Sympathisch und unkompliziert.
Natürlich fragen wir jeden warum er sich diesen echt harten Alltag in dieser Einöde antut? Sie lieben Es! It´s lifestyle! Die Freiheit, das draußen Sein, das Bier danach, ab und zu fischen gehen, unabhängig zu sein. Living in the real Australia, Westaustralia, wie sie immer wieder betonen.
G´day Leonie, Marty and Family,
thanks a lot for the great time and your hospitility during our stay on your Station.
Übrigens: Warroora betreibt eine riesige Campsite, fast die ganze Küste entlang, mit absoluten Traumplätzen für günstiges Geld. In der richtigen Zeit kann man Wale beobachten, Schildkröten (bis zu 1,5 m) gibt’s immer.
Endlich hab ich auch einen Thorny Devil gefunden.

Die faulste Echse der Welt! Faszinierende Kreatur. Wenn sie nicht vor einem Ameisenloch sitzt und frisst, liegt sie die meiste Zeit des Tages absolut regungslos herum. Schönes Leben!
Ich gönne mir einen richtig tollen Tauchtrip vor Coral Bay, und zwischendurch schwimme ich mit den unglaublich eleganten Manta-Rochen. Ich hab sie lange betrachtet, aber ich kann immer noch nicht glauben dass es real war. Diese Bilder werden sich hoffentlich für ewig in mein Gedächtnis brennen!
Alles bereitet sich jetzt hier auf den Sommerurlaub über Weihnachten vor... klingt dass nicht eigenartig?
Schönste Grüße aus Geraldton
Jürgen Orangetrotter
