Yazd - meine Perle des Suedostens

Geschrieben von: Jürgen
Samstag, den 26. September 2009 um 05:57 Uhr

... alles anders als Zuhause

Nach einer einsamen und unglaublich stillen Wüstennacht bei Chak Chak haben wir eingecheckt. Nicht nur in Yazd, auch zur Abwechslung mal in ein Hotel. In das Geschichten umwobene Silk-Road Hotel. Der Globetrottertreff 1.Güte. Hier treffen wir zwei Radler aus der Schweiz und Holland auf Ihrem Weg nach Indien, und den Autor des Reise Know-How-Führers Iran, Hartmut Niemann. Er versorgt uns mit wertvollen Tips zu unserer Weiterfahrt.

Wir haben 2 rießige Säcke voll Dreckwäsche, und Silk Road, Allah sei dank, einen Loundry-Service. Natürlich waschen wir sonst selbst, aber wir hatten einfach keine Gelegenheit. Weltreisen ist Stress!
Wir machen uns auf die Socken durch die engen Gassen der Old City von Yazd. Faszinierend, durch den Verputz der Gemäuer mit Lehm und Stroh wirkt das ganze wie aus einem Guss. Überall ragen die Windtürme, ein genial einfaches und uraltes Air Conditions System, aus den Gebäuden. Das eigentliche Leben spielt sich hinter diesen labyrinthartig angeordneten Mauern ab, und selten erhaschen wir einen Blick dahin. Dort tun sich kleine Paradiese auf. Grüne Gärten, große Höfe, Lichtkuppeln mit bunten Glassteinen. Viele Wohnungen befinden sich unterhalb der Erde wegen des angenehmeren Klimas. Wir pausieren an einem Platz, große Hitze. Hin und wieder huscht eine verhüllte Frau an uns vorüber. Gelegentlich knattert ein Roller. Der Schall wird aber sofort von den Wänden geschluckt. Mit dem Gesang des Mueziens stellt sich eine total friedvolle, entspannte Stimmung bei uns ein. Irgendwann treibt uns der Hunger weiter. Wir suchen fast hoffnungslos nach einem traditionellen Restaurant Hamam-e Khan, das sich in einem ehemaligen, 200 Jahre alten Badehaus befinden soll. Wir verlieren vollkommen die Orientierung. Und dann kommt wieder der typische Satz: Hello, where are you from?“ Ein sympathischer Man bepackt mit Einkaufstüten steht wie aus dem nichts neben uns. Bald wird Deutsch gesprochen. Er arbeitet in Köln und macht hier Urlaub. Und dann fragt er uns ernsthaft, ob wir nicht Angst hätten den Iran zu bereisen. Er wäre vor seinem Heimaturlaub sehr ängstlich gewesen. Schnell ist jemand gefunden der den Weg kennt, er ist aber kaum zu beschreiben. Also begleitet er uns, bis er uns wie ein Staffelholz an jemand anderen weiter gibt, der uns dann wiederum an jemand Anderen übergibt. Endlich stehen wir vor unserem Restaurant. Wundervolles Ambiente! Wir beobachten neugierig unsere Tischnachbarn wir Sie Ihr traditionelles Dizi selbst am Tisch zubereiten. Es dauert nicht lange, und wir bekommen von Ihnen, mit freundlichem Lächeln, eine reichhaltige Kostprobe Ihres Gerichts. Sofort denke ich: „Ist dir so was schon mal in Deutschland passiert?“ Würde ich das tun?

Die Situation in etwa:
Ich sitze im Biergarten bei Weißwurst und einer Maß, exotisch anmutende Menschen beobachten mich, und ich bringe Ihnen sofort ein Stück meiner Weißwurst an Ihren Tisch.

Ich nehme mir fest vor genau dass künftig auch in Deutschland so zu tun! Wieso nicht?

Satte Grüße aus Yaszd

Jürgen Orangetrotter

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