Reif für die Insel

Geschrieben von: Helga
Samstag, den 10. April 2010 um 13:58 Uhr

Acht Monate Weltreise und (k)ein bisschen müde

Wir sind auf Ko Chang, eine Insel im Golf von Thailand, 30 Km lang und 8 Km breit mit nur einer Hauptstraße. Der ideale Platz, um runter und eine Zeit lang an zu kommen. Die Hitze ist auch hier heftig. So heiße Nächte hatten wir noch nie in unserem Bus. 30 Grad und mehr rauben uns den Schlaf. Die Idee einen Bungalow oder ein Zimmer mit Klimaanlage zu mieten, verwerfen wir nach ein paar Versuchen schnell wieder. Ein Luxus den wir uns nicht leisten wollen.

Jetzt gilt es einen schönen Stellplatz am Strand zu finden. Wir versuchen unser Glück bei den KP Huts. Eine nette Anlage mit auf Stelzen gebauten, einfachen Holzhütten, ganz im Robinson-Stil. Auf unsere Frage ob wir hier für längere Zeit stehen können, wird gleich abgewunken. „The Boss is in Bangkok.“ Jürgen und ich diskutieren ein bisschen und versuchen unseren Charme spielen zu lassen: „this is so a nice place, we love it, we would like to stay here, what can we do?“
Die Angestellte ruft den Boss an. „Sorry, that´s not possible“. Wir sind enttäuscht. Niedergeschlagen setzen wir uns und überlegen was wir tun sollen. Es ist wirklich ideal hier, direkt am Meer und im Schatten der Palmen. Irgendwie scheint die nette junge Dame uns zu mögen. „I´ll call again, o.k.?“ Sie drückt Jürgen das Handy ans Ohr. „o.k. you can stay, you can use the water, depends on you, what you want to give. Anyway, i give it to the tempel as donation.“ Sie einigen sich schnell auf 200 Baht pro Tag. Ein paar Tage später lernen wir den Chef persönlich kennen, wieder ein paar Tage später teilt er uns mit, dass wir nichts bezahlen müssen und bleiben können solange wir wollen, auch ein Jahr. (Thank you very much Mr. B.!!!!)

Wir brauchen diese Pause. Unsere Köpfe und Herzen sind voll. Sind nicht mehr aufnahmefähig. Zuviel zieht einfach unbemerkt an uns vorbei. Wen wundert´s? Nach 8 Monaten, knapp 25.000 km, 14 Länder, zigtausend Höhenmetern und Temperaturschwankungen von -16 bis +42 Grad. Und viele bereichernde Begegnungen.

Wie war das im Iran mit Madhie und ihrer Familie? Wie hoch war nochmal der höchste Pass in Tibet? Und der Getriebeschaden in der Türkei, wie lange ist das jetzt schon her? Und Pakistan..., ach und wie wunderschön war Nepal. Unglaublich wie schnell die Zeit verfliegt!

Es gibt so viel zu entdecken, man will nichts verpassen, meint alles sehen und aufnehmen zu müssen. Ein Highlight folgt dem anderen. Irgendwann wird einem bewusst, dass das Erlebte nicht mehr verarbeitet werden kann. Dann gilt es Prioritäten zu setzten. Schau ich mir dieses Wat oder den Palast auch noch an? Oder geh ich lieber zum Wasserfall, lass die Seele baumeln und beobachte die Schmetterlinge? Oder mach ich einfach gar nichts?

Ich muss lernen, dass man nicht alles auf dem Weg sehen kann, sich an jeder Kreuzung für eine Richtung entscheiden muss. Was mir auf dieser Strecke dann begegnet, versuchen mit allen Sinnen wahrzunehmen und zu genießen. Auch oder gerade auf Reisen, ist das Leben im Hier und Jetzt eine große Herausforderung. Als ob es davon nicht schon genug gäbe.

Eine Weltreise dachte ich, ist eine gute Möglichkeit, sich selber besser kennen zu lernen. Alles was einem auf einer solchen Fahrt begegnet, bedeutet aber auch Ablenkung. Es gilt die Einflüsse von außen und die zart aufkeimenden inneren Aspekte gleichermaßen zu beachten. Ein Balanceakt der mir nicht ganz leicht fällt. Und ich muss aufpassen, dass ich mich auf der Suche nach mir selbst nicht noch mehr, oder wieder, verliere.

Warum erzähl ich Euch das alles?
Es gibt so viele Beweggründe solch eine Reise zu machen, wie es Menschen gibt, die dies tun. Und ich bin mir sicher, keiner von ihnen wird die Entscheidung, jemals bereuen! Denn, es ist unbeschreiblich. Es sind die Menschen die einem begegnen, die Landschaften und Tiere die man zum ersten Mal mit eigenen Augen sieht. Die Gerüche, Klänge und natürlich die kulinarischen Genüsse. Die technischen und organisatorischen Dinge. Die vielen skurrilen Situationen. Aber eben auch noch mehr, viel mehr...

Eure Helga
Orangetrotter

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