Dicke Luft und das Geschäft mit der Armut

Geschrieben von: Jürgen
Donnerstag, den 08. April 2010 um 13:05 Uhr

Wir treffen Cordula und Jochen. Die erfahrenen Overlander sind seit 7 Jahren mit Landrover und zwei dicken BMW´s im Anhänger unterwegs. Bereits in Australien und Neuseeland zugange, legen sie jetzt eine längere Pause in Thailand ein, haben sich ein nettes Häuschen mit Garten gemietet (100€/Monat). Cordula findet schnell einen gut bezahlten Job und Jochen plant akribisch die Weiterreise mit Open End Ticket. Spätestens 2013 soll es weitergehen. Wir saugen die Zwei natürlich aus und Jochen hat wertvolles Kartenmaterial für unsere Weiterreise, Danke noch mal!

Die Gegend um Chiang Mai bietet viel. Kulturell , und auch die Natur ist überwältigend. Ja, wenn man sie denn sehen könnte, also wenn man zur richtigen Zeit hier wäre (eher Okt-Feb). Dort wo sich sonst unter glasklarem, blauen Himmel, tiefgrüner Dschungel endlos über die Berge und Nationalparks erstreckt, herrscht jetzt nur Hitze, Trockenheit und Nebel. Die immer währenden Buschbrände machen uns schwer zu schaffen. Über weite Strecken fahren wir durch abgebrannte Steppen. Dicke Rauchschwaden hängen über uns und scheinen uns zu erdrücken. Kein klarer Himmel nur Qualm und diese Schwüle. Wir ringen um Sauerstoff. ( ja, ich weiß Aloi, Du hast uns gewarnt)

 

Über Pai, Mae Hong Son, Mae Sariang folgen wir dem Fluss Maenam Moei, immer entlang der Grenze zu Myanmar. Die Straße führt vorbei an kleinen, sehr einfachen Dörfern, die uns eher an Laos erinnern. Die ganze Gegend ist geprägt von den Flüchtlingen des Nachbarlandes. Wir kommen an einer nicht enden wollenden, mit Stacheldraht eingezäunten Siedlung vorbei. Einfachste Holzhäuser, die Dächer mit Laub gedeckt. Das bunte Treiben der freundlichen Leute, unterschiedlichster Religionen, wie man unschwer an den Kleidungsstilen erkennen kann, fasziniert uns. „Was ist das hier?“ Auf der Karte ist nichts verzeichnet, außer Dschungel.

Wir versuchen mehr zu erfahren, doch niemand spricht Englisch. Einfach rein marschieren halten wir für nicht angebracht. Resigniert fahren wir weiter. Da! ...ein Tuck Tuck mit einem Europäer drauf. Beim nächsten Stop fragen wir ihn ob er etwas weis, uns davon erzählen will. Er steigt bei uns zu, nicht unglücklich um den komfortablen Sitzplatz für die nächsten 50 km bis Mea Sot. Mat ist Englisch-Lehrer und unterrichtet in dieser Stadt im nirgendwo. Wie bereits vermutet, handelt es sich um ein Flüchtlingslager. Hauptsächlich ethnische Gruppen der Karen, suchen hier Zuflucht von der ausweglosen Situation in Burma.


Circa 50.000 Menschen raufen sich hier zusammen. Mehr oder weniger geduldet und illegal. Dass werden sie wohl auch immer bleiben. Einige, die wollen erhalten Thai- und Englischunterricht. Manche schaffen auch eine Art Schulabschluss. Jeden Tag verlassen hunderte das Camp um illegal zu arbeiten, bis sie Abends wieder zurückkehren. Inzwischen sind sie ein Wirtschaftsfaktor in der Gegend weit um Mea Sot. Sie verrichten all die Arbeiten, die der Thai nicht gerne macht. Natürlich unterbezahlt aber inzwischen nicht mehr wegzudenken. Wir erkundigen uns wie wir helfen können. Mat meint: Direkte Hilfe vor Ort geht nicht. Alles läuft über die drei großen ausländischen Hilfsorganisationen die dieses Camp verwalten. Dort müssten wir auch die Erlaubnis einholen das Lager zu betreten. Dann erzählt er uns viel über Korruption im Dschungel des Spendenwesens, ganz allgemein, und dass viele Spendengelder oft nicht dort, und in der Höhe, ankommen wie sie sollen. Natürlich auch ganz allgemein.

Allerdings, hier scheint für das Nötigste und etwas Schulbildung gesorgt. Ich denke wir werden uns eher ein sinnvolles, überschaubares Projekt für Euer Geld suchen. Unsere Neugier auf Burma ist aber durch diese Begegnung noch größer geworden.

Mae Sot selbst ist ebenso ein buntes Völkergemisch aus Thai, Burmesen, Karen, Shan, Chinesen und Indern. Die angenehm, entspannte Atmosphäre zieht uns in ihren Bann. Auch der „locker“ gehandhabte Grenzverkehr am Fluss lässt uns staunen. Die Einreise über die Freandship-Brücke ist recht teuer, und so nehmen viele die kostenlose und natürlich illegale Variante mit einem aufgeblasenem LKW-Schlauch über den verdreckten Fluß. Dabei wird natürlich auch kräftiger Warenhandel betrieben. Alles unter den Augen der gelangweilt wirkenden Grenzbeamten auf beiden Seiten.


Unser Weg führt in die alte Hauptstadt Siams, Ayutthaya. Für Kulturbegeisterte ein Traum. Wir entschließen uns aufgrund der Hitze für eine Bootsfahrt mit Fahrtwind einmal rund um die historische Insel. Dann noch eine Sightseeing-tour mit dem Orangetrotter quer durch die Stadt. Es gäbe noch viel zu entdecken und besichtigen doch wir merken wie sehr wir eine „Reiseauszeit“ brauchen und so geht es direkt weiter Richtung Meer.

 

Heiße Grüße

von Jürgen Orangetrotter

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