Siam empfängt uns mit offenen Armen. Zu unserem Erstaunen und wegen rückläufigem Tourismus gibt es das 60-Tages Visa gleich mal kostenlos. Zuerst steuern wir Loei, im komplett von Farang - (Ausländer) - Tourismus verschonten Nordosten Thailands, an. Die erste Nacht, direkt im Mekong Kiesbett ist nur Möglich weil in der noch vorherrschenden Trockenzeit der Fluss bis zu 15 Meter weniger Pegel hat. Helga traut der Sache natürlich nicht, und ich muss noch einmal Umparken. Fünf Meter höher. Die Erinnerung an unser Tsunamierlebnis 2004 ist noch zu präsent.

Wir treffen endlich Toi und Aloi . Er, ein vor fünf Jahren ausgewanderter Allgäuer und seine thailändische Frau. Toi arbeitete schon länger in Deutschland. Sie haben sich kurioserweise in Garmisch getroffen, und nach einem gemeinsamen Urlaub in ihrem Heimatland, gab es nichts mehr was Aloi zurück in das stressige Germany lockte. Ein Stück Land für wenig Geld, ein schmuckes Häuschen drauf, zwei, drei Mopeds im Stall und die bergige Natur im Isan reichen dem passionierten Motorradfahrer vollkommen aus. Toi hat einen grünen Daumen und verwandelt den, zu dieser Zeit, knochentrockenen Boden in einen Prachtgarten. Heute gibt es Erdbeerkuchen, natürlich aus eigenem Anbau. Aloi erzählt uns viel über die Leichtigkeit des Lebens in Nordthailand. Über das gemäßigte Klima hier in den Bergen. Und wenn es erst wieder regnet, wirds prächtig grün und bunt! Einzig die ständigen Brandrodungen stören am Ende der Trockenzeit. Manchmal hängt die Luft voller Rauch und die Sonne schafft es kaum durch zu brechen.
Kurzerhand empfiehlt er uns ein Stück Land zu kaufen, Kautschuk oder Macadamia anbauen zu lassen, oder auch gar nichts damit zu machen. Er meint, wer so lange auf Reisen ist wie wir, kann so sowieso nicht mehr in Deutschland leben, und so hätten wir schon günstiges Bauland. Und ich muss zugeben, viele dieser Überlegungen hatte ich so, oder so ähnlich auch schon mal. Besonders was das Leben im Pensionsalter in Deutschland betrifft. Alles was ich bisher in der kurzen Zeit von der thailändischen Lebensart mitbekommen habe, gefällt mir sehr gut. Man könnte es mit sehr tolerant, freundschaftlich, unkompliziert und preiswert, grob umreißen. Thai-Style eben! Und den scheint es wirklich zu geben. Aber soweit ist es noch nicht. Außerdem fehlt mir dazu noch das notwendige finanzielle Polster.
Nein, gibt es noch viel zu Sehen und zu Erleben. Einiges davon eben hier, im unbekannten Nordosten. Aloi überrascht uns täglich mit neuem Programm. Dinner auf der schwimmenden Hütte z.B:

Wir werden mit dem Boot raus geschoben genießen frischen Fisch, dößen rum. Irgendwann Flagge hissen, und wir werden wieder abgeholt. Dann geht es zu einer befreundeten thailändischem Familie, Geburtstag nachfeiern. Es wird spät, und nicht nur dass! Also schlafen wir gleich im Garten der Familie Songsyl. Hier werden wir die nächsten Tage festgehalten und auf´s Beste verwöhnt „Alois Freunde sind auch unsere Freunde“
Ach ja, und dann gehen wir öfters zum kostenfreien, örtlichen Joga-Taining. Tut echt gut. Mal sehen ob wir dass beibehalten. Rung, die Trainerin gibt uns Ihr Joga-Handbuchbuch, ein 200-Seiten Wälzer, zum kopieren mit, während der Sohn von Song mit seinen Kontakten versucht einen Fernsehtermin für uns zu arrangieren, damit wir unsere Reisekasse auffüllen können. In ein paar Tagen bekommen wir Bescheid.

Wir starten mit Aloi eine Rundtour durch den Nordosten. Die schönsten Viewpoints, die leckersten Einheimischen-Restaurants, die schönsten Nationalparks und Wildlife Reserves stehen auf dem Programm. Und von All dem gibt’s hier reichlich. Und wie gesagt, die ganze Zeit treffen wir keinen einzigen Farang. Im Thung Kamang Wildlife Reserve fahren wir 25 km tief in den Dschungel und überreden den Chefranger dass wir die Nacht dort verbringen dürfen. Sonst nur mit Permit und Voranmeldung möglich. Ein vielversprechender Platz zur Tierbeobachtung am See ist schnell gefunden. Ich döß erst mal ´ne Runde, aber es dauert nicht lange bis Helga laut schreit „ Riesen Kaimane!!!!“ Mich reißt´s bei sowas blitzschnell aus dem tiefsten Schlaf. Wo, wo, wo? Ich bin total baff, als ich sehe wie ein 2,5 Meter langer Bindenveran, 10 Meter neben unserem Bus aus dem Wasser steigt. Und es bleibt nicht bei dem Einen. Bei meinem kurzen Rundgang treffe ich auf ein ebenfalls ausgewachsenes Exemplar dieser Gattung. Er verharrt genauso angewurzelt wie ich, als wir uns bemerken. Ich versuch ihm etwas näher zu kommen, ...noch ein Stück... ein bisschen geht noch. Uns trennen nur noch knapp zwei Meter. Er reagiert schlagartig und pfeilschnell. Ich auch! Wir Beide rennen wie von der Tarantel gestochen, glücklicherweise in entgegengesetzte Richtungen.

Nach Einbruch der Dunkelheit wird Helga sehr ungemütlich. In der Nähe gab es ein gewaltiges Buschfeuer. Baumhohe Flammen schlagen 500 Meter von unserem Bus entfernt. Dass Feuer ist sehr schnell wieder unter Kontrolle, und wie sich später herausstellt wurde es, aus was für Gründen auch immer, von den Parkrangern selbst angesteckt.
Helga fühlt sich dennoch nicht wohl. Ihre Freude ist groß, als uns der Chefranger mit dem Roller aufsucht und uns bittet wieder ins Hauptquartier zu fahren, um dort die Nacht sicher zu verbringen. Schade!
Nachts hören wir Tiger brüllen. Überall Chang-Scheiße von den wilden Elephanten. Zu Helgas Glück treffen wir keinen an. Rehe und Hirsche gibt es ohne Ende. Im Hauptquartier sind sie teilweise zahm. Schmetterlinge in allen Formen und Farben, ebenso Vögel. Sowas lieben wir!

Jetzt wollen wir noch ein Fest geben, zum vorläufigen Abschied. Könnte gut sein dass wir nach Myanmar nochmal hier aufkreuzen um gemeinsam mit Aloi und dem Loei Enduro-Team die Gegend zu Er-fahren. Ein Traum-Enduro-Land aber zur Zeit viel zu trocken und staubig.
Apropos Myanmar: Unser Rucksackausflug dorthin ist erstmal auf das Ende der Regenzeit verschoben. Jetzt wäre es reine Quälerei, viel zu heiß und die Natur nur halb so schön. Also fahren wir zunächst in den Norden. Dort werden wir Cordula und Jochen treffen. Die weit gereisten Overlander (5 Jahre) mit Jeep, sind irgendwie in der Nähe von Chiang Mai hängen geblieben, mit Häuschen und so... Mehr wissen wir noch nicht. Aber Ihr werden es hoffentlich erfahren!
Und dann geht’s endlich ans Meer. Mit hoffentlich frischer Seebriese. Dort wollen wir die folgenden, extrem heißen Monate überstehen, bis es uns wieder weiter treibt. Wohin auch immer. Planen zwecklos!
Bis Bald
Jürgen Orangetrotter