Ahnungslos passieren wir die nepalesische Grenze. Nichts Auffälliges, auch die Grenzbeamten nett und lässig wie immer. Nach den ersten Kilometern bemerken wir dankbar, dass sehr wenig Verkehr herrscht. Keine LKW´s keine Busse, ein Traum„ Ist heut Sonntag? Nein„
Dann tauchen die ersten Straßensperren auf.

Wir verlassen den Mahendra Highway Richtung Kathmandu auf einer, lt.unserer Karte, Hauptverkehrsstrecke. Auch in der Hoffnung das der Streik dort nicht so ernst genommen wird. Die Straße wird bald zur Schotterpiste.Und wieder Straßensperre. Wir halten an und Fragen den 300 Meter vorher stationierten Polizisten ob wir gefahrlos passieren können. Er versteht kein Wort und wir auch nicht, aber seine Körperhaltung rät eher ab. Wir müssen da durch! Ganz langsam rollen wir an die Absperrung, alles strömt zusammen. Plötzlich steht ein eher Älterer mit einem fussballgroßen Stein vor uns, schreit irgendwas und droht unsere Frontscheibe einzuschmeißen. Ein paar Jüngere halten ihn schnell ab, würgen ihn dabei. Vorsichtig kommen ein paar Fragen, das übliche aber sehr ernst, bis Sie uns schließlich passieren lassen. Puhhh! Die Piste wird immer derber, schmäler und bergiger. Wir erreichen nach ca. 30 Kilometern eine Stadt die alles Andere, als zum übernachten einlädt. Wir verstecken uns zwischen den parkenden Bussen, und nachdem die erste Neugier der Einheimischen gestillt ist gibt’s eine ruhige Nacht.
Am nächsten Morgen weiterhoppeln.

Und auf einmal wie aus dem Nichts eine perfekt geteerte Straße, die sich in den nächsten Kilometern zu einer vorbildlichen, von höchster Ingenieurskunst erschaffenen, Paßstaße entwickelt. Da würden selbst die Schweizer neidisch! Wir sind total baff, kein einziges Schlagloch, Trenagen, Entwässerungsgräben, 5-6 Meter breite Fahrbahn, und dann ein Schild:
Nepalesisch-Japanisches Gemeinschaftsprojekt. Ein Hochgenuss, wer schon in Nepal unterwegs war, weiß was ich meine. Rauf auf 2600 Meter, endlich mal Sightseeing für den Fahrer. Runter, wir freuen uns auf die nächsten 120 Kilometer. Und dann? So wie es angefangen hat hört es auf. Von einem Zentimeter auf den anderen, finden wir uns auf einer knapp 2 Meter breiten Dreckstraße, und wenig später, in einem Flussbeet wieder. Haben wir uns verfahren? Unmöglich, es ging nie irgendwo was weg! Die Piste die folgt zwingt uns zur Umkehr. Extrem steile, tiefe Sandpassagen, Löcher so tief das eine Kuh rein passt. Wir sitzen auf, unsere Bodenfreiheit reicht nicht aus.
Aber bevor wir zurückkehren verbringen wir zwei Tage in diesem wunderschönen Tal. Helga tauft es „Schmetterlingstal“.

Wir haben tolle Begegnungen mit den Einheimischen, waschen uns wie alle Anderen im Fluss, werden mit Orangen beschenkt und verschenken Seife, Brillen und Stofftiere für die Kinder.

Wir genießen das Leben und die Natur, mal abgesehen von der Maus die sich in den wirren Gängen unseres Orangetrotters eingeniestet hat. Die Jagd in dieser langen Nacht war erfolglos, obwohl wir uns immer wieder mal in die Augen schauen konnten. Eigentlich ganz putzig.
Helga hat diese Nacht kein Auge zu gemacht. So zieht der mehrtägige Streik an uns vorbei, hier interessiert das niemanden.
Irgendwann wird dieses Straßen-Projekt fertig gestellt, dann ist´s vorbei mit der Ruhe. Aber so wie aussieht dauert dass noch sehr, sehr lange.
Bis Bald Euer
Jürgen Orangetrotter