Nashorn, Tiger & Co

Geschrieben von: Helga
Donnerstag, den 05. November 2009 um 06:46 Uhr

10 Stunden zu Fuß im Dschungel

Ich bin wahrscheinlich die Einzige, die an einer Safari teilnimmt und inständig darum betet von Tigern, Elefanten und Nashörnern verschont zu bleiben.

Nein, auch ich liebe es Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten, keine Frage. Doch Ihr müsst wissen, unsere Safari führt uns gemeinsam mit unserem Guide Sitaram, zu Fuss, jeder mit einem Bambusstab bewaffnet, durch das Dickicht des ca. 960 qkm großen Bardia Nationalpark. Zur Einführung, wir sind mittlerweile schon eine halbe Stunde unterwegs, weist uns Sitaram an wie wir uns verhalten sollen wenn uns ein Rino (Nashorn) entgegen kommt:

  1. Einen Baum ausspähen auf den man flüchten kann

  2. Im Zickzack auf diesen Baum zu spurten und so schnell wie möglich hochklettern

  3. Wenn man nicht hoch kommt, hinter dem Baum verstecken (das wäre dann mein Part)

Wenn uns ein Tiger begegnet:

  1. Stehen bleiben, nicht mehr rühren

  2. Augenkontakt aufnehmen, wenn man stark genug dazu ist

  3. Wenn der Tiger näher kommt, langsam rückwärts gehen

  4. Normale Tiger greifen keine Menschen an nur verrückte Tiere und dann lauf um Dein Leben

Wenn ein wilder Elefant entgegen kommt:

  1. Lass alles was Du bei Dir hast fallen um ihn abzulenken

  2. Lauf ins dichte Gestrüpp, je dichter desto besser, und wenn Du Glück hast, bist Du ihn los

Mit diesen Verhaltensregeln marschieren wir früh morgens tiefer in den Busch. Ich kenne Jürgen, der am liebsten allen diesen wunderschönen Tieren auf einmal begegnen würden. Mental tue ich allerdings alles in meiner Macht stehende dafür, dass genau dies nicht passiert. Kein Baum erschien mir geeignet, dass jemand wie ich hinauf kommen kann um sich vor einem Rino zu retten.

Über die Lingurenaffen, Spechte, den Kingfischer, ein wunderschöner, braun-türkiser Vogel, die vielen Rehe und Antilopen freu ich mich dann doch, ebenso über die beiden rießigen Krokodile am Flussufer, da weiss ich ja auch noch nicht, dass wir diesen kurze Zeit später zu Fuß überqueren werden. Weiter auf den schmalen Pfaden des nepalesischen Dschungels geht es zu einem Platz am Fluss, der gut sein soll um Tiger zu sehen. Dort schlagen wir unser Lager auf. Blätter die Siteram von den Bäumen reißt und für uns an den sandigen Boden legt, dienen als Sitzunterlage. Da sitzen wir und warten. Spähen aufs gegenüberliegende Flussufer in der „Hoffnung“ einen dieser Tiger zu sehen. Warum eigentlich da drüben? Hinter mir im Gebüsch raschelt doch ständig etwas, oder bilde ich mir das wirklich nur ein? Da, schon wieder! Siterarm: „Look there, do you see?“ - oh Gott, was? Wo? - „on the riverside, there is a rino!“

Tatsächlich, groß und mächtig steht es da und frisst geräuschvoll, krachend und raschelnd die Blätter vom Baum. Unglaublich, dass diese Kolosse Vegetarier sind. Unser Exemplar ist am vorderen, rechten Fuß verletzt. Auch hier wird den Tieren nach dem Leben getrachtet. Insbesondere die vom Aussterben bedrohten Tiger, Nashörner, Krokodile u.a. werden immer wieder gewildert um div. Körperteile für die chinesische Medizin einzusetzen. Wie grausam und überflüssig das doch ist.

Wir laufen durch rießige Fußabdrücke von Rino und Elefant und durch deren große Misthaufen, die mich ständig daran erinnern wie ich mich zu verhalten habe, wenn mir einer der Dickhäuter begegnet. Auch die Spuren des Tigers sehen wir hin, und wieder. Es scheint ihn hier wirklich zu geben. Na, prima, ich bin entzückt!

Abends, die Dämmerung droht schon herein zu brechen, führt unser Rückweg durch hohes Steppengras. Die tief stehende Sonne taucht die Landschaft in ein herrlich, warmes, weiches Licht, doch wirklich wohl fühle ich mich erst wieder als sich die Tore des Bardia-Tierschutz-Reservats hinter uns schließen und ich vor einer großen Portion Noodels mit Gemüse sitze. What a day!

Alles Liebe Eure Helga

orangetrotter

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