
Mit mehr als 60 verschiedenen Volksgruppen und bis zu 120 Untergruppen sind in Laos mehr Ethnien zu Hause als in jedem anderen Land Südostasiens. Das lässt die individuellen Traditionen erahnen die es hier zu entdecken gibt. Teilweise fühlen wir uns hier um Jahrhundert zurückversetzt...
Bambushütten auf Holzstelzen, mit Dächern aus mühevoll geflochtenen Ratanmatten. Kochstellen mit offenem Feuer, das Wasser muss in
Schwerstarbeit vom Fluß herbeigeschafft werden. Holz wird auf dem Rücken von Mann, Frau und Kind aus dem Urwald geholt. Auf dem Lehmboden der Dörfer scharren Hühner, Hunde liegen in der Hitze des Tages unter den Holzverschlägen, bis sie irgendwann im Kochtopf landen. Ja Hunde werden hier auch gegessen, so wie übrigens fast alles was nicht schnell genug ist. Traditionell gekleidete Frauen gehen ihrem Tagesgeschäft nach, flechten, weben, sticken, kochen und nebenbei noch die zahlreichen Kinder hüten. Scharen von den Kleine treiben sich am Fluß rum und toben im Wasser, es ist eine wahre Freude sie zu beobachten. Schreiner und Schmied arbeiten mit Geräten wie man sie bei uns nur noch im Museum zu sehen bekommt. Viele der Dörfer haben noch immer keine Elektrizität.
Gemeinsam mit Allen und Dwang, einem in Thailand lebenden Amerikaner und seiner Laotischen Frau, genießen wir eine selbstorganisierte Tour durch die interessanten, freundlichen Urdörfer. Allen fotografiert für sein leben gern. Mit Jürgen sucht er sich einen gemütlichen Platz, und sie lassen das Leben genussvoll an ihren Linsen vorbei rauschen.
Das ist der Erste sehr untouristische Eindruck den wir von Laos haben.
In Luang Prapang angekommen, diese Stadt wurde 1995 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt, lernen wir auch noch eine der anderen Seite kennen. Über 30 000 Einwohner leben hier und in der Hochsaison kommen bis zu 17.000 auswärtige Besucher im Monat hinzu. Die Stadt hat aber auch wirklich Charme. Mit ihren zahlreichen Wats und historischen Bauwerken direkt zwischen dem mächtigen Mekong und dem Nam Kahn haben auch wir hier mehr Zeit verbracht als geplant. Hier war auch der Sitz der Könige Lane Xangs, des ersten laotischen Großreichs, das die Geschichte von Laos begründete. Durch die Vielzahl von Outdooraktivitäten, wie Kajaken, Trekken, Biken und Elephanten reiten bietet diese Stadt wirklich für jeden Geschmack etwas. Hier auch nochmal ganz speziellen Dank an Markus vom Elephant Village für seine Gastfreundschaft. Der sympathische Deutsche hat wirklich ein sehr gutes Händchen und hat hier schon einiges auf die Beine gestellt. In seinem Camp kann man sich zum Mahout (Elephantenführer) ausbilden lassen. (www.elephantvillagelaos.com)

Bei den vielen Menschen aus Allerwelt ist klar dass man viele Bekanntschaften machen kann und auch wir, unauffällig wie wir mit unserm Orangetrotter sind, lernen sehr viele interessante Menschen kennen.
Doch irgendwann treibt es uns weiter und wir landen in Vang Vieng und erleiden einen hammerharten Kulturschock. Diese kleine Stadt mit idealer Lage am Fluß umgeben von märchenhaften Karstkegeln und Höhlen hat eine ganz andere Art Tourismus hervorgebracht. Auf unserer Suche nach einem ruhigen Platz für die Nacht fahren wir zur Organic Farm, Suanmone, der Besitzer hat zahlreiche Projekte zum schonenden Umgang mit der Natur am Laufen und tut viel für die Kinder. Dort angekommen, empfängt uns ein dröhnendes Bass-Durcheinander. Was ist denn da los? Wir laufen zum Fluß runter und sehen den Ursprung des Lärms. Meterhohe Holztürme direkt am Wasser von denen man ins kühle Nass springen kann. Die Musik und das laute Gegröhle der sich hier vergnügenden und betrinkenden hat in den letzten zwei Jahren die Gäste von der Organic Farm vertrieben. Für die Ruhe suchenden Naturliebhaber ist hier nun kein Platz mehr. Der schwer verzweifelte Besitzer stößt auf taube Ohren und dem Illegalen Treiben wird wohl auch in Zukunft kein Einhalt geboten. Aus seiner Not heraus bittet er um Mithilfe in dem man unter www.tourismlaos.org seinen Unmut mitteilt und auf die Unangenehmen Nebeneffekte dieser Art Tourismus aufmerksam macht. Da dieses Land noch immer sehr arm ist, ist die Gefahr groß dass diese auf lange Sicht sicher nicht wünschenswerte Art von Vergnügungsurlaub hier Schule macht. Und wie schwer es ist dies Rückgängig zu machen zeigt das Beispiel von Mallorca. Auch, und gerade weil die Bildung der Kinder ihm eine Herzensangelegenheit ist, können wir sehr gut verstehen dass er so verzweifelt ist. Das Bild das sich dem laotischen Nachwuchs hier zeigt ist sicher nicht vorbildlich. Es wird Whisky aus Eimern gesoffen, gekotzt und weiter gesoffen. Überall in der Stadt stinkt es nach Erbrochenem. Die Touri-Mädels radeln mit Bikini durch die Dörfer, in einem Land in dem sich Frauen komplett in ein Tuch gehüllt am Fluß waschen. Und Mann und Frau sich in der Öffentlichkeit nicht berühren. Es wird den Bewohnern des Landes und ihrer Tradition kein Respekt entgegengebracht. Ganz zu schweigen von den Drogen die wie selbstverständlich konsumiert werden. Sogar auf der Pizza, kann es ungefragt zu dieser Zutat mit Folgen kommen.
Uns hält hier auf jeden Fall nichts und wir fahren weiter und verbringen die Nacht direkt im Dschungel. Abgelegen, am Fluß Nam Lik finden wir das vom Franzosen Richard und seiner Frau geführte Nam Lik Eco Village. Hier können wir kostenlos stehen, bekommen lecker Essen und haben mal wieder die Geräuschkulisse, die wir so lieben. Das ist unser Platz. Richard ist begeisterter Insektenforscher, zahlreiche Terrarien mit Spinnen, Schlangen, Echsen, Schmetterlingen, Motten sind hier zu bewundern. Sein Freund Thomas, der sich ein Jahr frei genommen hat um dieses Getier zu fotografieren ist auch gleich so nett Jürgen mit auf seine nächtliche Expedition einzuladen. Das lässt sich mein Jürgen nicht zwei mal sagen. Tja und dann passierts auch schon, gleich die erste Echse die sie zu Gesicht bekommen, knabbert gleich mal an Jürgens Hand. Und so haben wir unsere erste Bisswunde zu verbuchen. Ist aber ehrlich gesagt nicht schlimmer als ein Mückenstich. Diese Art ist ungiftig und wer wird schon gerne in die Hand genommen und untersucht, da würde ich auch zu beißen.

Ja, wir sind im Land der unzähligen Kriech- und Krabbeltiere angekommen, ich hatte auch schon das Vergnügen, bei einer Wanderung wäre ich beinahe auf eine ca. zwei Meter lange grau/braune Schlange getreten, es war echt knapp, hab´s gerade noch gesehen. Wir sind uns nicht ganz sicher aber es könnte eine Kobra gewesen sein. Davon gibt es hier jede Menge.
Kurz und gut es ist sehr abenteuerlich hier. Wir hatten auch ein Gespräch mit dem Besitzer des Eco Village, ein Laote der vor zwanzig Jahren in Lyon studiert hat. Er ist der Begründer des EcoTourismus hier in Lao. Nach dem Studium erfolgreich im Beruf, erkannte er damals schon, dass es mit der Rente in Europa Probleme geben wird. So beschloss er zurück in sein Geburtsland zu gehen. Hier etablierte er Schritt für Schritt den umweltverträglichen Tourismus und hat heute schon Gewissheit, dass Ihm sein Altersteil sicher ist.
Übrigens, wir müssen ziemlich unangenehm riechen, und bekommen immer wieder Duschmöglichkeiten von Travellern angeboten ;-)
Vielen Dank!
Willem und Mieke (Luang Prabang)
Jeffrey & Freia (Vientane)
Eure Orangrotter Helga & Jürgen