Durch Himmel und Hölle ins Paradies

Geschrieben von: Jürgen
Sonntag, den 24. Januar 2010 um 10:55 Uhr

OK, es ist geschafft. Wir haben den Himalaja überquert, und als schon alles gegessen schien, ging es noch mal richtig zur Sache. Eine Etappe mit 354 Km reibt uns nochmal auf. 16 Stunden auf Schotter durch tiefe Täler, hohe Pässe, Eis und Schnee bis wir endlich den Mekong erblicken. Natürlich kommen wir in die Nacht. Ich bin schon einiges an Schotterpässen mit meiner Enduro gefahren, aber diese Piste...

Eng, zerfallen, Schotter- und Felsabgänge Kurven ins nichts, machen ein passieren fast unmöglich. Also aussteigen und Steine schleppen, Hilfsrampen bauen. Fünf Mann, Heike, und ein paar Einheimische. Dann Kupplung quälen, schieben und wieder rauf 4500 Höhenmeter. Dort kommt dann wieder das Eis, pures Eis. Abzweigungen an denen selbst die Einheimischen nicht wissen wie es weitergeht, also ablaufen, dann doch nach Links. Rechts ist nur Eis.

Gefrorene Flüsse queren! Eine Eisrinne der einzige Halt, und hoffen, das die Fuhre nicht zu rutschen beginnt, sonst gibt es kein halten mehr. Hier hat auch Jan mit seinem Allradtruck Probleme und ihm rutscht das Herz in die Hose. Irgendwann, in 5-10 Jahren wird auch diese Strecke geteert sein, und die Truckfahrer werden sich freuen, dass Ihr Job um einiges leichter wird. Es sind Hauptverbindungsrouten, man glaubt es kaum.

Daniel war immer noch sehr angeschlagen. Irgendwie Glück im Unglück. Sein Motorrad wurde die ganze Strecke auf einem Pickup transportiert. Wir versuchen uns gemeinsam mit einem tibetischen Alleskönner erst noch an einer abenteuerlichen Konstruktion um das Moped mit dem Truck ab zuschleppen. Ich denke es war besser dass zu verwerfen.

Zwischendurch wird auch mal gegessen. Bestellen in den einfachen Einheimischen Küchen funktioniert nur, wenn wir gemeinsam die Küche durchschreiten und unter den unzählig, offen, aufgebahrten Zutaten selbst auswählen. Was dabei raus kommt schmeckt meistens erstaunlich gut!

Alles in Allem, es hat sich gelohnt! Diese Bergwelt, ihre Menschen, dieses komplett andere Leben hat uns begeistert und erstaunt. Leider ist Komumikation mit diesen Menschen bestenfalls in Zeichensprache möglich, dabei hätten wir doch so viele Fragen und wohl andersherum auch. Und, die Zeit. Sie läuft uns davon, Schade!

Eine Erfahrung die ich nicht missen will, und die mir keiner mehr nehmen kann. Auch für den Zusammenhalt der Gruppe, trotz aller Schwierigkeiten bin ich dankbar. Für unseren 30-jährigen Orangetrotter wäre an manchen Stellen echt Schluss gewesen. Besonderer Dank gilt hier Jan und Esther von www.project-asia.com . Dank Ihrem bulligem Truck und allererlei Hilfsmitteln konnten wir uns immer wieder aus dem größtem Schlamassel befreien. Hätte ich vorher gewusst was ich unserem Orangetrotter und Helgas Nerven zumuten muss, wäre es wohl nie zu dieser Tibet-Tour gekommen.

Wir tauchen ganz allmählich in die wärmeren Gefilde von Yunnan ein, und freuen uns über jedes Grad wärmer in der Nacht. Es gibt immer noch kein Gas im Bus. Es geht durch Shangri La, am Yangtse entlang, in die Tigersprungschlucht und schließlich nach Lijiang, dem UNESCO -Welt-Kulturerbe. Sehr Schöne, und unzählige Gebäude im traditionellen Baustil aber total vertouristet. Nicht unbedingt unser Geschmack. Die Chinesen vollbringen einiges um Touristen anzulocken. Tempel die eher an Disney-World erinnern, und ganze Stadteile im alten Stil, mit Bächlein und allem was nötig ist und Souvenir-Shop an Shop, tausende! Alt und Neu sind nicht zu unterscheiden. Oder gibt es nur Neu? Vielleicht auch weil der Großteil der Strukturen nach einem Erdbeben 1995 verloren ging. In Dali das selbe, kitschig, überladen, künstlich und kein Stein der vor mehr als 20 Jahren verbaut wurde. Die Shops! Nach 15 Minuten tun mir die Augen weh. Nichts scheint Echt hier. Doch, die berühmten 3 Pagoden! Inzwischen haben die Chinesen eine 8 Meter hohe Mauer drumherum gezogen, Eintritt 13 Euro pro Person. Die Spinnen! Für chinesische Verhältnisse, ein astronomischer Preis. Eine Bedienung in einem besseren Restaurant verdient umgerechnet ca.200 Euro im Monat. Also platzieren wir den Orangetrotter, steigen wir auf einen Fels und versuchen ein Foto zu erhaschen. Ällebätsch!!!

Dann nach Kunming, eine 5 Millionen-Stadt, mal sehen was die zu bieten hat. Von dort aus sehen wir zumindest eine Sonnenfinsternis. Der Stone Forest bei Shilin ist endlich mal keine Enttäuschung, trotz hohem Eintrittspreis. Wenn man sich vorstellt dass diese, bis zu 70 Meter hohen, bizarren Felsstrukturen die letzten 200 Millionen Jahre durch Wasser geformt wurden? Was wäre dass für ein Tauchspot gewesen ;-)

Auch wirklich spektakulär sind die Reisterassen auf der nächsten Etappe, die uns weit über 200 Kilometer begleiten. Nicht grün, es steht kein Reis, aber genau dass ist das Besondere! Sie sind Wasser gefüllt, und die Spiegelungen im Spiel mit den Wolken geben ein ganz beeindruckendes, fremdartiges Bild ab. Sehr schön!

Meter um Meter verlieren wir nun an Höhe, bis wir die laotische Grenze erreichen. Ein paar Kilometer und wir fühlen uns wie in einer anderen Welt, fast schlagartig. Auf Anhieb finden wir einen genialen Platz, wir ihn seit langem ersehnen, am Fluß, Nam Tha. Die Menschen kommen abends zum waschen. Sich, und ihre Wäsche. Mit reichlich Waschpulver. Nicht so toll. Die entspannte Atmosphäre erschlägt uns fast. Hier werden wir runterfahren, vom Gruppen- und Zeitstress. Unseren gewohnten Reise-Rhythmus finden. Endlich wieder unabhängig!

Bis Bald

Jürgen Orangetrotter

Empfohlen durch reiseberichte.com