getrennte Schlafzimmer

Geschrieben von: Jürgen
Samstag, den 26. März 2011 um 04:32 Uhr


...müssen es ja nicht gerade sein. Aber nach 20 Monaten im VW Bus auf einer 1,5 x 1,9 m kleinen Matratze, genießen wir in unserer Wohnung auf Langkawi eine ganz neue Art der Freiheit. Wir haben ein riesiges Schlafzimmer, jeder hat sein eigenes Bett, und jedes davon ist fast doppelt so groß wie unsere Busschläfstätte. Die erste Nacht...

...fühlen wir uns noch ein wenig verloren, und nützen nur ein kleinen Teil der Betten. Aber schon Bald entfalten wir uns, und denken mit Schrecken an unsere bevorstehenden Busnächte. Das wird wie neu kennenlernen, ein Drahtseilakt.

 

Das Wetter ist gnädig hier auf Langkawi. Es stimmt uns freundlicherweise langsam auf Deutschland ein. Will heißen, es regnet jeden Tag sehr viel. Stören tut es nicht, denn es hat ja mind. noch 35°C.

Langkawi selbst ist der (zum Glück) misslungene Versuch einer Mega-Turi-Insel. Wir kommen mit dem Flieger an, und ich erschrecke über die Größe des Flughafens im Verhältnis zur Insel. Mir schwant Schlimmes. Um die Menschen auf die Insel zu locken gibt es hier alles Steuerfrei! Elektronik, Kaffee, Schokolade, Alkohol, Zigaretten. Um in diesen Genuss zu kommen, muss man sich aber mind. 48 Stunden auf Langkawi aufhalten. Also wird’s am Wochenede immer etwas voller. Aber lang nicht so schlimm wie befürchtet. Im Gegenteil, Langkawi behält auch dann seinen relaxten, friedlichen, ruhigen Charme.

Auf unseren Roller-Erkundungstouren suchen wir überall nach etwas Un-touristischem. Zwischen Kuah und Pedang-Chanei werden wir fündig. Kein Schild weißt dieses, ca.2 km von der Hauptstraße gelegene, Fischerdorf aus. Und tatsächlich, nichts deutet auf eine, auch irgendwie geartete, touristische Nutzung hin. Die meisten der wackeligen Häuser stehen auf eben solch wackligen Pfählen, in der von Gezeiten umspülten Küste. Ein wunderschöner, teils aus rohen Palmstämmen, gebauter Jetty ragt weit ins tiefere Gewässer. Die Menschen freundlich, die Kinder neugierig. Wir sind überrascht, dass sich scheinbar kein Tourist für dieses Städtchen interessiert.Gut so!

Wir kaufen etwas Gemüse bei einer Krämerin. Aber natürlich hat sich auch hier rumgesprochen, dass der Tourist etwas mehr bezahlen sollte. Hier führt das allerdings noch zu einer fünfminütigen Diskussion mit Ihrem Mann, der extra vom Fernseher aufstehen muss, und ein paar Dorfbewohnern. Köstlich!

Die Schattenseite: Hier, wo kein Tourist erwartet wird, geht man mit dem Müll noch um wie man es lange gewohnt ist. Er wird ins Meer gekippt, egal ob organisch, Kunststoff, Baumaterial, oder was sonst noch. Bei Ebbe sieht es nicht nur schrecklich aus, es stinkt auch fast unerträglich zum Himmel. Den Übergang von Wasser zu Land, kann man an manchen Stellen nicht wirklich erkennen. Er liegt unter Bergen von angeschwemmten Müll.

Irgendwo essen wir richtig leckere Mee Goreng, auch hier ist Bestellen und Bezahlen wieder ein Abenteuer, wie wir es schon lange vermisst haben.

Wie sagte schon Hans Magnus Enzensberger:

Der Tourismus zerstört dass, was er sucht, indem er es findet“

aber genau so oft hat er, zumindest die Möglichkeit, Dinge zu verbessern! Alles hat seinen Preis.

Schöne Grüße aus Langkawi

Jürgen Orangetrotter

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