FUTURAMA SINGAPUR

Geschrieben von: Jürgen
Sonntag, den 05. September 2010 um 03:25 Uhr

Stadtstaat der Gegensätze
(nicht alles was glänzt ist Gold)

Wir können uns das Leben in Singapur ohne unseren Orangetrotter nicht leisten. Für eine fensterlose Abstellkammer mit Stockbett bezahlt man 25€/pro Pers. Ein Mehrbettzimmer bekommt man ab 20€/pro Pers. Also quartieren wir uns in Johor Bahru, der Stadt vor der Grenze ein,

und müssen um unsere Orangetrotter-Verschiffung zu organisieren, oder einen Stadtbummel zu machen jedesmal in einem langwierigen Prozedere, die Landesgrenze passieren. Und dass, machen täglich tausende, am Wochenende zehntausende, von Menschen, für die Singapur zu teuer zum leben, aber eben besser zu verdienen ist.

 

Ja und dann tauchst Du ein, in eine Mega-Shopping-Buisness-Futurama-Metropole, die ihres Gleichen sucht. Mir fehlen echt die Worte um dass zu beschreiben. Wer kauft dass alles, Luxus an jeder Ecke, Mega-Shopping-Malls die scheinbar aus der Zukunft kommen. Wirklich alles ist hier für Geld zu haben. Und so ziemlich alles muss importiert werden. Dieser Staat ist gerade mal 697 km² groß. 100 km² wurden dabei durch Landaufschüttungen gewonnen. Bis 2030 soll er 800 km² erreichen. Ca. 4,8 Mill. Menschen leben dort.

Was die Städteplaner hier die letzten 20 Jahre aus Boden und Meer gestampft haben ist einfach unglaublich.
Im Zentrum könnte man wirklich vom Boden essen. In den Aussenbezirken soll es teilweise verherend schmuddelig zugehen, erzählt uns ein Malaye der Jahrzehnte in Singapur gearbeitet hat.

Wie funktioniert so ein Staat? Ein Rätsel.

An den strikten Gesetzen und Regelungen läßt sich erkennen dass die Moderne oft nur Fassade ist. Teilweise mittelalterliche Bestrafungsmethoden zeugen davon wie weit die Köpfe wirklich sind. Oder ist dass die Zukunft???

nur ein paar Beispiele:

  • für Personenansammlungen von mehr als drei Personen, die über Politik, Religion oder innere Angelegenheiten reden wollen muss eine staatl. Lizens erworben werden.
  • Der Verkauf von Kaugummi war von 1992 bis Mai 2004 absolut verboten. Mittlerweile ist der Verkauf von Kaugummi zwar gestattet, jedoch weiterhin stark eingeschränkt. Der Käufer muss ein Arztrezept und seinen Personalausweis vorzeigen.

  • Geld- und Sozialarbeitsstrafen (z. B. mit einer neonleuchtenden Weste und der Aufschrift „ORDER FOR corrective work“ den Strand säubern) werden gegen Personen verhängt, die Müll (auch Zigarettenkippen) achtlos auf die Straße werfen. (Würde Sarrazin sicher gefallen, gell?)
  • Der Transport der Durian-Stinke-Frucht in öffentlichen Verkehrsmitteln ist verboten, die Menschen lieben diese Frucht, deshalb kommt es selten zu Strafen. (find ich eigentlich super, ich krieg diesen Gestank nicht mehr aus der Nase)
  • „Lügerei“ wird mit hohen Gelstrafen wie Betrug geahndet (100-5000 €), und Prügel mit dem Rohrstock, 3–8 Schläge.
  • Sexuelle Praktiken, die von der Regierung als „unnatürlich“ angesehen werden, sind illegal. Dazu zählt Anal- und Oralverkehr sowie jede Form von homosexuellem Sex.
  • In Singapur werden weltweit die meisten Todesstrafen (und zwar überdurchschnittlich) verhängt. Haupsächlich wegen Drogenbesitz und Drogenhandel. Auch bei Besitz von geringen Mengen Cannabis, kann die Todestrafe drohen, auch gegen Ausländer.

Also nicht unbedingt ein Staat für Freiheitsliebende. Man muss sie ja nicht unbedingt verstehen, um sie zu genießen. Meine anfängliche Abneigung gegen diese Überentwicklung hat sich inzwischen etwas gelegt. Denn Singapur bietet viel, nur für mich manchmal zu viel. Sie weckt Begehrlichkeiten für Dinge, die aus meiner Sicht für ein erfülltes Leben nicht unbedingt nötig sind. Trotzdem könnte ich mich hier nur schwer enthalten.

Ich freu mich um so mehr auf die endlose, menschenleere Natur West-Australiens.

Schöne Grüße von
Jürgen ohne Orangetrotter


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