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Wir sitzen zu hause bei Sahel, einem 25 jährigen Englischlehrer und seiner Familie. Dort werden wir auch die Nacht verbringen. Die Sonne ist bereits untergegangen, alle warten auf das Essen. Sie sind hungrig, es ist immer noch Ramadan...
Die Mutter sitzt am Boden, vor sich ein Tuch mit Unmengen von Wildkräutern die sie verließt und zu einem Salat bereitet. Wir sitzen etwas entfernt, ebenfalls am Boden auf Teppichen. Vor uns eine Plastik-Tischdecke, Tee steht bereit, Minuten später ist der „Tisch“ gedeckt mit Reis, Fisch, Rührei, Salat und Hähnchen. Gemeinsam mit Sahels Mutter und Schwester essen wir zu Abend. Danach sind wir bei seinem Freund...
eingeladen unsere Emails zu checken. Spät Nachts kommen wir zurück. Sahels Bruder Ramin ist mittlerweile von der Arbeit zurück. Er ist Maler und Tapezierer, heute hat er von 9:00 Uhr morgens bis 23:00 Uhr gearbeitet. Er sieht sehr müde aus. Alle scheinen auf uns gewartet zu haben. Fragen uns ob wir Tee wollen. Doch wir sind einfach nur müde, der Tag war sehr anstrengend, wir wollen lieber gleich schlafen. Kurz wird diskutiert, wer wo schläft. Ich bekomme das Bett im winzigen Zimmer von Sahel, seine Mutter und Schwester schlafen ebenso dort – am Boden. Die Männer liegen auf Matratzen, wo wir vor wenigen Stunden noch gegessen haben. Bevor wir uns endgültig schlafen legen, geht es noch zur Toilette. Ein Stehklo, klar daran habe ich mich inzwischen gewöhnt. Neu jedoch, dass es sich separat im hintersten Eck des Gartens, in einer Art Baracke ohne Licht befindet. Die Taschenlampe die ich bekommen habe erleichtert mir den Weg durchs Gestrüpp, den die Familie blind geht. Ausserdem kann ich so besser erkennen welche Lebewesen dieses Örtchen mit mir teilen. Zum Umziehen für die Nacht haben mich die zwei Frauen allein gelassen. Ich liege schon im Bett als sie zurückkommen. Die Schwester zieht ihren Mantel und das Kopftuch aus, alles andere behält sie an. Die Mutter legt sich mit der kompletten Montur, Mantel und Kopftuch auf Ihr Nachtlager. Erst als das Licht aus ist quält sie sich umständlich im Liegen aus ihrem Mantel.
Es ist eine unruhige Nacht, ich kann nicht schlafen. Unter meiner Wolldecke ist mir viel zu warm, die Mücke die mir ständig um die Ohren surrt macht mich wahnsinnig. Mich beunruhigt noch ein anderes Geräusch weil ich es absolut nicht zuordnen kann.
Mitten in der Nacht stehen Mutter und Tochter auf, ich nutze die Gelegenheit, folge ihnen und richtig, sie müssen auch mal. Beide sind wieder in voller Montur und signalisieren mir es ihnen gleich zu tun. Das kapier ich nicht, ist doch stockfinster da draußen und auch Allah sieht nix.
In einem dunklen Eck des Gartens ist ein Schatten und das undefinierbare Geräusch von vorher rückt näher. Da sitzt nachts um viertel nach drei, der Vater der Familie, den ich jetzt zum Erstenmal zu Gesicht bekomme und raucht gurgelnd und blubbert seine Hubbelbubbl, so nennen die Iraner ihre Wasserpfeiffe. O.K. Deshalb also Mantel und Kopftuch. Sahel hat schon einmal in einem Nebensatz erwähnt dass sein Vater rund um die Uhr nur Wasserpfeiffe raucht, dass er das wortwörtlich gemeint hat war mir nicht klar.
Die Iraner benutzen auf der Toilette kein Papier, sondern nur Wasser und ihre linke Hand. Darum ist es natürlich um so wichtiger sich nach dem „Geschäft“ die Hände zu waschen. Dafür gibt es vor der Toilette, direkt im Garten einen Wasserhahn ca. einen halben Meter hoch über der Erde, ein Schälchen Seife und fertig ist das Badezimmer der Familie. Übrigens, ich habe immer Toilettenpapier bei mir.
Es ist unheimlich spannend bei den Einheimischen zu wohnen, und einen Einblick in deren, doch sehr einfaches Leben zu bekommen. Ich bin aber auch überglücklich zurück in unseren Orangetrotter zu dürfen. Immer mehr schätze ich unsere 2,5 qm Küche, Wohn-, Ess-, Schlaf- und Badezimmer.
Eure Helga orangetrotter