Tibet, vom Hochland bis Lhasa und kein Winterdienst

Geschrieben von: Jürgen
Samstag, den 02. Januar 2010 um 04:33 Uhr

...eine Zweckbekanntschaft wächst zusammen

Nun stehe ich da, und bin übervoll mit Geschichten und Eindrücken. Wir sind in Tibet, die ersten 5000er Pässe sind überwunden. Und dann doch noch das Unverhoffte: Schneefall! Wir müssen unsere Route ändern. Es ist nicht viel Schnee, zu wenig für Schneeketten, aber es ist a....glatt.

Und hier gibt es keinen Winterdienst. Die Kinder haben mächtig Spass daran. Die Landschaft ist überwältigend! Bizarr, bedrohlich und doch wunderschön. Wir bewegen uns weiter, immer um die 4000 Höhenmeter. Überall liegen Autos in den Gräben oder umgestürzt, auf der Seite. Zweimal sind es Polizei Jeeps. 30-40 km/h und beim Aussteigen merken wir, dass ist auch schon zu schnell. Und, da war noch ein Motorrad: Daniel und Heike kämpfen sich 4 Stunden mit Schrittgeschwindigkeit über das Tibetische Hochland. Respekt!

Selbst nachdem sie von einem Jeep von der Straße gedrängt wurden, steigen Beide wieder auf, und weiter geht’s. Inzwischen haben wir Walkie-Talkies, und Jan und Heike, eine Stunde voraus, berichten uns von einer Bergabwärtsstrecke mit purem Eis. Jan schnappt sich seine Schaufel und schippt Erde aufs Eis, während Andere rutschend an Ihm vorbei gleiten. Bis wir ankommen ist Stau. Jeder tastet sich in Zentimeterschritten abwärts. Und trotzdem es rutscht! Unten, drei gecrashte Autos, und wieder ist Polizei involviert. Keine Ahnung wie Daniel mit dem Moped da runter kam, aber Alles ging gut! Wenige Kilometer und ein paar Höhenmeter tiefer läuft´s wieder. Zügig geht’s auf Lhasa zu. Was wir bisher von Tibet mitbekommen haben, hat so gar nichts mit Lhasa zu tun. In den Bergen begegnen wir den Tibetern, tief in ihrem Glauben verwurzelt, die in den Hauptstädten dann eher spärlich anzutreffen sind. Und sie sind herzlich, sehr herzlich! Ihre Gesichter erzählen von dem entbehrungsreichen, harten Leben. Es ist Winter, geheizt wird bestenfalls der zentrale Kochofen. fließend Wasser gibt es nicht. Und wenn doch, ist es im Winter eingefroren. Wir bekommen einen minimalen Eindruck, was es bedeutet jeden Tag, 24 Stunden, ununterbrochen der Kälte ausgesetzt zu sein: Kein kuscheliges Kaminfeuer nach dem Sonntags- Nachmittags Spaziergang dass auf einen wartet. Und trotzdem, neben allen anderen Herausforderungen diesen Lebens, strahlen diese Menschen diese Freundlichkeit, Ruhe und Ausgeglichenheit aus? Selbst als wir einen Pilgerweg am Tashilhunpo-Tempel in Shigatse in der falschen Richtung beschreiten, bekommen wir nur freundliche Hinweise und verständiges Lachen.(Wie wäre dass bei uns?).

Dies wird besonders deutlich mit den Erfahrungen die wir in Lhasa selbst machen. Nein, die Chinesen sind nicht unfreundlich, aber scheinbar gleichgültiger, unaufmerksamer, beschäftigt. Lhasa selbst ist eine fein herausgeputzte Metropole, mit breiten Straßen, buntem Firlefanz und teuren Einkaufspromenaden, übersäht mit chinesischen Schriftzeichen. Alles was wir bisher in Tibet erlebt hatten ist vollkommen anders als alles was zuvor war. Und der Potala Palast ist dann doch sehr beeindruckend als wir vor ihm stehen, obwohl wir schon tausend Bilder zuvor gesehen hatten.

Und, unsere kleine Reisegemeinschaft entwickelt Teamgeist. Aller Probleme und Verzögerungen zum trotze, oder gerade deshalb, sind wir als Team gewappnet, egal was uns noch erwartet.

Schöne Neujahrsgrüße vom Dach der Welt

Jürgen Orangetrotter

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