In unmittelbarer Nähe unseres Stellplatzes steht ein Wat, ein thailändisches Kloster, das Treffpunkt für eine kleine buddhistische Gemeinschaft in der Nähe von Augsburg ist.
Vor einigen Wochen war dort ein großes Fest zu Ehren Buddhas. Eine gute Gelegenheit für uns um dort die ein oder andere Erinnerung aufzufrischen. Als wir ankommen, platzen wir mitten in eine festliche Zeremonie. Es ist der höchste Feiertag zu Ehren Buddhas für die Thailänder, erfahren wir jetzt durch die freundliche Brasilianerin die regelmäßig diesen Tempel besucht. Im Haupttempel, einer ehemaligen Tennishalle, knien überwiegend Frauen die Kerzen in Händen halten, und beten. Auf zwei großen Monitoren wird die größte Prozession in der Nähe von Bangkok live übertragen. 100.000 von Fackeln und Kerzen erhellen dort die Nacht. Bei uns ist es Nachmittag. Die Mönche tragen die üblichen orangen Kutten. Die Gäste sind fast ausnahmslos in weiß gekleidet. Nur wir, mit unseren bunten T-Shirts und blauen Jeans fallen wieder einmal ganz schön auf. Doch hier, starrt uns niemand an, wir sind willkommen und werden herzlich aufgenommen und gleich mit eingespannt bei der Prozession um ihr Wat.

Danach geht es zurück zum Gebet ins Kloster. Der monotone Sprechgesang, ruft Erinnerungen wach, wir fühlen uns zurückversetzt in die Zeit, als wir einige Tage vor dem Wat Thum Sua in Krabi/Thailand gestanden haben. Jürgen und ich sitzen in mitten der Thailänderinnen, sehen uns an und Jürgen sagt: „Wir sind in Deutschland, ist Dir das klar?“ Etwas sentimental verlassen wir die Veranstaltung.
Anschließend müssen wir noch kurz zur Post, einen Brief aufgeben. Beim Verlassen der Filiale kommt mir ein dunkelhaariger Mann entgegen, der typisch pakistanische Klamotten trägt. Weite lange Hose, langes bis zu den Knie reichendes Hemd. Breit grinsend steig ich zu Jürgen ins Auto und sage: „Hier gefällt es mir, das ist ja fast wie auf der Reise. Morgengebet im thailändischen Wat, und mittags Begegnung mit einem Beloutschen.“
Überhaupt freue ich mich seit wir zurück in Deutschland sind über jeden exotisch aussehenden Menschen, sie entlocken mir regelmäßig ein Lächeln und Erinnerungen an die wunderbare Zeit die wir erleben durften. Nicht nur diese Begegnungen in Deutschland machen uns das wieder Einleben angenehm. Auch der Kontakt zu Leuten die wir getroffen haben, die entweder schon länger wieder zurück sind oder eben noch unterwegs. Und nicht zuletzt der Schriftverkehr mit unserem Freund Sitaram aus Nepal. Erinnerst Du Dich? Unser Dschungelführer, im Bardia Nationalpark. Dessen Töchter Bhimu und Rita wir mit Hilfe Eurer Spenden und mit großzügiger Unterstützung unseres Sponsors GEFRO den Schulbesuch für vier Jahre sichern können.
Er hält uns regelmäßig auf dem Laufenden wie es ihm und seiner Familie geht. Sehr gefreut haben wir uns über seine letzte e-mail in der er uns mitteilt, dass beide Mädchen sehr gut in der Schule sind. Stolz berichtet er uns das Rita mit 97,9 % Klassenbeste und Bhimu mit 94% die Drittbeste ihrer Klasse ist. Für uns eine Bestätigung, dass Euer Geld hier gut angelegt ist.
Außerdem berichtet Sitaram von seiner Arbeit als Dschungelführer und ist glücklich dass sich ihm, und seinen Gästen im Park wieder öfter ein Tiger zeigt.
Dass ist sehr positiv, für seine Familie und alle anderen Bewohner des kleinen Dorfs Thakurdwara. Es fördert und sichert den Tourismus und somit eine wichtige zusätzlich Einnahmequelle, neben der harten Arbeit auf dem Feld.
Es gibt auch noch andere Ereignisse die an den Reisealltag erinnern. So zum Beispiel, die Rückfahrt, von einem Besuch von Reisekollegen, mit denen wir Tibet und China durchquert haben. Auf der Autobahn sehen wir dicke Rauchwolken im Rückspiegel, und fast wie damals in Tibet auf 4000 m, geht nichts mehr. Nur diesmal ist es nicht die Dieselpumpe. Wir haben einen ausgewachsenen Motorschaden, müssen abgeschleppt werden und bekommen beinahe einen Herzinfarkt als uns ein Bulli-Spezialist einen Kostenvoranschlag macht. Unmittelbar nach der Reise 5000 € abdrücken, das ist quasi unmöglich. Wie soll man etwas ausgeben, das man nicht mehr hat. Zu dem Preis schon gar nicht!
Den Orangetrotter ausrangieren? Geht auch nicht! Er hat uns durch dick und dünn begleitet, uns über 5tausender Pässe gebracht, war zwanzig Monate unser Zuhause und ist es immer noch. Er hat uns in Indien vor zu neugierigen Blicken, in Nepal und Thailand vor wilden Tieren geschützt. Uns in Kambodscha die Erkundung von Angkor Wat, zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht. Und uns letztendlich von Darwin über die kpl. West- und Südküste bis nach Sydney gebracht. Die ganze Reise hätte ohne ihn nicht stattfinden können. Er ist Teil unseres Teams wie Jürgen und ich. Und uns würden wir auch nicht ausrangieren, wenn wir nicht mehr könnten, oder?
Wie ich es nicht anders kenne, nimmt Jürgen die Sache in Angriff. Er macht selber was er kann, baut den Motor aus, zerlegt ihn in seine Einzelteile, macht zuverlässige Partner ausfindig und versucht es so günstig wie möglich aber so professionell wie nötig wieder hin zu bekommen. Und was soll ich sagen, der Orangetrotter, unser Heim, läuft wieder. Und das wird gefeiert und zwar mit einem Ausflug zum Därr-Globetrottertreffen. Jetzt wird der Orangetrotter noch etwas kosmetisch aufgemöbelt, durch den TÜV geschickt, und unsere gemeinsame Zukunft ist gesichert.
Dank gebührt dabei der Firma Huber & Wiessner. Einem Motoren-Instandsetzer aus Augsburg, der unseren Motorblock, professionell, schnell und preiswert. neu aufgebaut hat, und auch jetzt noch mit Rat und Tat zur Seite steht.
Eure Helga Orangetrotter